Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Warum es wichtig ist, dich aktiv innerlich zu trennen

So schön es auch wäre und alte Redewendungen in allen Ehren, aber in diesem Fall: Nein, die Zeit heilt nichts, sie vergeht einfach nur. Oft verblassen negative Erfahrungen und Verletzungen zwar mit der Zeit, aber Heilen ist etwas anderes. Daran musst du aktiv arbeiten. Sonst gären deine Verletzungen unter der Oberfläche vor sich hin und melden sich bei der nächsten Gelegenheit wieder. Im schlechtesten Fall erlebst du die Dynamik deiner beendeten Beziehung in der nächsten gleich wieder. Sei aktiv bei deiner Heilung und tue etwas für deine Wunden, damit sie wirklich heilen können.

In negativen Gefühlen verstrickt bleiben

Nach Trennungen gibt es Menschen, die noch sehr lange Zeit der ehemals besseren Hälfte am liebsten sofort so etwas wie ein Mordkommando schicken würden. Das heißt, sie sind noch in negativen Gefühlen verstrickt und im Hass gefangen, so dass von Heilung keine Rede sein kann. Wahrscheinlich weißt du schon, dass alter Groll und Hass nur dir selbst schaden und anderen kaum. Diese Gefühle machen dir das Leben unnütz schwer und blockieren deine Lebensenergie. Außerdem bist du durch Hass immer energetisch an deinen Expartner gebunden und somit nicht frei. Das sind doch gute Gründe dich innerlich zu trennen und aus diesen Gefühlen auszusteigen, oder?

Es gibt auch halb-getrennte Paare, die mit oft bemerkenswerter Leidensbereitschaft On-Off-Beziehungen leben. Ein oder beide Partner haben erkannt, dass es keine gemeinsame Zukunft gibt. Anstatt aber die Konsequenzen daraus zu ziehen und sich wirklich innerlich zu trennen, damit das alte Leid nicht non-stop - zwar mit Unterbrechungen - weiter geht, lassen sie nicht in der Tiefe voneinander los und hoffen und warten weiter, dass sich doch alles zum Besseren wendet. Solltest du dich in so einer Konstellation finden, ist dieser Artikel auch nützlich.

 

Leider gibt es kein Patentrezept, aber es gibt Möglichkeiten, dich innerlich von deinem Ex-Partner auf eine Weise zu verabschieden, die dich in Frieden und Liebe frei sein lässt. Egal, was vorher war. Gut ist es, wenn du die Dynamik der Partnerschaft verstehst und nachvollziehen kannst, was passiert ist. Das ist nicht immer einfach, mit professioneller Unterstützung gelingt es oft besser. Das Verstehen und Bearbeiten auf kognitiver Ebene sind überaus hilfreich und der erste Schritt, gut die vergangene Beziehung zu beenden.

Andere Menschen kannst du nicht ändern, sondern immer nur dich selbst. Daher ist es wichtig, im Rückblick deine eigenen Anteile in der vergangenen Partnerschaft noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Setze dir dafür einen abgegrenzten zeitlichen Rahmen und trage dir die Zeit in deinen Kalender ein, so dass du nicht rund um die Uhr und schon morgens unter der Dusche dein Hirn zermarterst.

Es geht nicht um Schuld

Achte besonders darauf, dass du dich dabei nicht in der Frage nach der "Schuld" verlierst. Es ist nicht wichtig, ob du oder die andere Person "Schuld" hat. Streiche am besten die Frage komplett. Es geht nämlich nicht um Schuld, sondern darum zu akzeptieren, wie die Situation ist. Sich selbst schuldig zu fühlen ist gerade bei Frauen ein beliebtes Muster, um andere unangenehme Gefühle nicht zu fühlen. Die Schuldfrage bringt dich keinen Millimeter weiter, sondern sie blockiert dich. Sie verdeckt deine Gefühle, die unter den von dir wahrgenommenen Schuldgefühlen liegen. Genauso wenig solltest du die "Schuld" bei der anderen Person suchen. Du warst schließlich ein Teil der Partnerschaft und hast das System mit getragen.

Kümmere dich um deine eigenen Anteile

Mit deinen eigenen Anteilen kannst du genau jetzt anfangen zu arbeiten. Das tust du natürlich nicht für die ehemalige Partnerschaft, sondern für dich selbst und auch dafür, dass du dich nicht noch einmal in so einer Dynamik wiederfindest.

 

Wenn die vergangene Partnerschaft bzw. die letzte Zeit davon sehr unglücklich war und zur Trennung geführt hat, dann hinterfrage auch hier deinen Anteil daran. In hochgradig dysfunktionalen Verbindungen, zum Beispiel mit bindungsängstlichen Personen, frage dich, was dich so lange in einer Beziehung gehalten hat, die dir schadete. Sind es alte Muster aus deiner Kindheit oder Vergangenheit? Vielleicht war dein Partner emotional nicht für dich erreichbar oder kreiste innerlich viel um sich selbst, ohne dich sehen und wahrnehmen zu können. Dann frage dich selbst, ob du selbst auch Angst vor einer tiefen Bindung oder Nähe hast. Vor Hingabe? Nicht die Kontrolle zu haben? Gibt es Anteile aus deiner Vergangenheit in dir, die du lieber nicht spüren möchtest, weil sie dir Angst oder Unbehagen bereiten? Einen alten Schmerz, an dem eine tiefe Liebe rühren würde und den du deswegen lieber vermeiden möchtest?

Trennung als Booster für dein persönliches Wachstum

Du siehst, in der Bearbeitung einer Trennung liegt ein riesiges Potenzial für dein eigenes Wachstum, auch wenn der Prozess extrem schmerzhaft sein kann. Die Trennung aktiviert enorm deine inneren Prozesse. Sie erweckt oft auch alte Wunden in dir noch einmal zum Leben, die du vielleicht schon lange nicht mehr gespürt hast. Nutze dieses Potenzial, wachse daran, du gehst für dich selbst durch alles hindurch. Sieh genau hin und fühle, was zu fühlen ist. Schließlich lernst du dich selbst immer besser kennen und verstehen. Arbeite an den Stellen in dir, die noch nicht geheilt sind. Das ist auch der sicherste Weg, die Dynamik deiner letzten Beziehung so nicht zu wiederholen. Beginne, dich selbst immer mehr zu lieben und anzunehmen, du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben.

Du musst nicht alles allein schaffen

Also sei aktiv und trenne dich wirklich innerlich. Such dir Unterstützung, wenn du das Gefühl hast, dass du allein nicht weiterkommst. Ich bin gern für dich da.