Bildchen, Sinnsprüche und Liebe bei Facebook

Du hast das sicher auch schon gemerkt: Bei Facebook wimmelt es von Bildern, die ein möglichst romantisches oder lehrreiches oder sonstwie geartetes Bild von dem darstellen, was andere Völker scheinbar haben, wir aber nicht.

Zum Beispiel ein paar afrikanische Jungs, die versonnen in die trockene Steppe blicken und sich per mitgeliefertem Spruch darüber freuen, dass sie mit Stöckchen spielen dürfen, während europäische Kinder auf ihr Smartphone gucken müssen. Oder ein Bild, erkennbar aus Ostafrika, versehen mit einem weisen Spruch aus Westafrika, und als sei das nicht schon schlimm genug, folgt noch die Angabe eines vermeintlichen "Stammes", der das Beschriebene haargenau so lebt. Zum Beispiel Kriminelle vor den Dorfältestenrat zu stellen. Auch schön sind Sinnsprüche des Dalai Lama oder von sonstwem versehen mit Bildern schwarzäugiger Kleinkinder, die null Bezug zum Inhalt haben.

 

Die Jungs auf dem Bild möchten vielleicht lieber in die Schule gehen, ob mit oder ohne Smartphone. Das würde ihnen andere Perspektiven und mehr Wahlmöglichkeiten geben, wie sie leben wollen. Institutionen ländlicher Regionen in Afrika sind gewachsene Strukturen, die gänzlich anders funktionieren, als wir es hier kennen. Afrika ist ein Kontinent, größer als die USA, China, Indien, Japan und Europa zusammen. Logischerweise existiert dort eine enorme Vielfalt an Kulturen. Pickt man eine Sache heraus, verwendet dazu noch falsche Informationen, lässt alles andere außer Acht, dann ist das ziemlich eingeschränkt. Abgesehen davon ist der Begriff Stamm aus der Kolonialzeit und seine Verwendung reproduziert Rassismus.

 

 

Die emotionalen Botschaften dieser Bilder sind klar. Sie bedienen Sehnsüchte: Entspannung, Nähe zur Natur, mehr Miteinander, Zugehörigkeit, weniger Technologie im Leben, mehr Liebe. Statt diese Bildchen weiter unreflektiert zu verbreiten, wäre es doch eine gute Idee, all das in unser Leben zu integrieren. Wir haben nämlich die Wahl. Oder?